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Eine Wand voller Meerestiere: Kunst trifft Wissenschaft

15.05.2026

Der Künstler Javier Espinosa hat am Biozentrum ein Unterwasser-Wandgemälde geschaffen. Forschende und Studierende der LMU haben ihre Ideen dazu beigesteuert.

Javier Espinosa hat Flurwände im LMU-Biozentrum mit Motiven bemalt, die ihm aus seiner Arbeit als Tauchlehrer vertraut sind. Im künstlerischen Prozess ergänzte er sie um weitere Meeresorganismen, die Biologinnen und Biologen in den umliegenden Laboren erforschen. „Der Austausch mit den Forschenden war für mich sehr bereichernd und hat einfach Spaß gemacht“, sagt Espinosa.

© Carolin Bleese

Fische, Korallen und Unterwasserlandschaften: Meist malt der spanische Künstler Javier Espinosa Motive, die ihm von seiner Arbeit als Tauchlehrer und Unterwasser-Guide vertraut sind. Für ein Wandgemälde im Biozentrum der LMU hat er sein Motivspektrum nun erweitert – um Organismen, die in den umliegenden Laboren erforscht werden. In kräftigem Blau und klaren Formen zieren nun zum Beispiel auch Schwämme und Bakterien den Flur.

„Der Schutz der Unterwasserwelt liegt mir sehr am Herzen“, erklärt Espinosa. „Diese Leidenschaft habe ich am Biozentrum nun in einem Werk ausgedrückt, das Kunst und Wissenschaft verbindet.“ Drei Tage lang bemalte der Künstler, der in der Vergangenheit schon ganze Schiffsrümpfe und Hausfassaden mit Meerestieren gestaltet hat, die Wände des Gebäudekomplexes in Martinsried. Im zweiten Stock ließ er zwischen Spinden und Glastüren rund 150 Tier- und Organismenarten entstehen.

Tauchlehrer und Künstler

„Als Kind wollte ich unter Wasser unbedingt Tiere entdecken und beobachten und hatte schon als Elfjähriger mehr als 100 Tauchgänge hinter mir“, sagt Javier Espinosa. Zu seinen Arbeiten gehört die Fassade des Colegio Mediterráneo in Águilas, auf der ein riesiges „Einhorn-Seepferdchen“ zu sehen ist. Espinosa gehört dem internationalen Projekt ¡vamos, simbiosis! an, das von Annika Guse mitinitiiert wurde.

© Carolin Bleese

Blaue Rochen, Quallen und Schildkröten

„Ich wollte eine Komposition von Wesen und Organismen schaffen, die sowohl Studierende als auch Lehrende und Forschende in ihrem Alltag am Biozentrum begleiten“, so der Künstler. Während des Malens bat er die Mitarbeitenden der umliegenden Labore, sich mit ihren eigenen Ideen und Anregungen in den künstlerischen Prozess einzubringen. „Viele von ihnen schlugen dabei ihre aktuellen Forschungsgegenstände als Motive vor.“

Der Biologe Herwig Stibor (links) mit dem Künstler Javier Espinosa und der Biologin Annika Guse vor einer der neu gestalteten Wände im Biozentrum der LMU. | © Carolin Bleese

Mit Pinsel und blauer Dispersionsfarbe malte Espinosa die gesammelten Ideen direkt auf die Wand. Nun sind dort neben Rochen und Schildkröten auch Organismen zu sehen, mit denen sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler am Biozentrum beschäftigen. Dazu gehören Quallen, mikroskopisch kleines Plankton oder der Fadenwurm C. elegans, der in der Forschung als Modellorganismus dient.

„Wissenschaft soll Spaß machen“, findet die LMU-Molekularbiologin Professorin Annika Guse, die das Projekt initiiert hat. „Und Spaß, Enthusiasmus und wissenschaftliche Kreativität entstehen in einem anregenden Umfeld.“ Labore und wissenschaftliche Institutionen wirkten oft eher steril. „Deshalb setze ich mich dafür ein, unsere Forschungsumgebung schöner, einladender und spielerischer zu gestalten“, so Guse, die selbst die Symbiose von Korallen und Algen erforscht. „Denn ich glaube, dass das langfristig auch der Wissenschaft zugutekommt.“

Diversität des Lebens und der Forschung

Auch Herwig Stibor, Professor für Aquatische Ökologie und Dekan der Fakultät für Biologie, sieht Vorzüge in der Verbindung von Kunst und Wissenschaft. „Gerade für eine Fakultät, die primär analytisch arbeitet, bedeutet Kunst weit mehr als nur Dekoration“, erklärt er. „Denn sie bietet Forschenden auch die Möglichkeit, ihre eigenen Denkweisen zu erweitern.“ Das könne auch zu besserer Kommunikation und kritischer Reflexion der eigenen Forschung führen.

Damit Kolleginnen und Kollegen künftig vor dem Wandgemälde besser innehalten können, will Annika Guse im Flur noch eine kleine Bank aufstellen und warmes Licht installieren. „Mein Ziel ist es, dass sich die Forschenden dort stärker mit dem Biozentrum identifizieren und die Diversität des Lebens und nicht zuletzt unserer Forschung zelebrieren können.“